– 31.12. 2019 –

Liebe Freiwillige, Mitarbeitende und Freunde der JU-AIR und des Air Force Centers
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Zum Jahreswechsel möchte ich Euch noch einmal über die Fortschritte im ablaufenden Jahr informieren.
Zuerst möchte ich Euch im Namen des Vereins und der JU-AIR herzlich für Euren grossen  Einsatz danken. Das Jahr ohne Flugbetrieb mit unseren geliebten JU-52 war für uns alle ungewohnt und alles andere als einfach. Umso schöner war es zu sehen, wie Ihr Euch in teilweise neue Aufgaben eingearbeitet und immer mit voller Kraft mit uns am selben Strick gezogen habt. Nur so konnten wir dieses erste «Zwischenjahr» ohne grossen Flugbetrieb erfolgreich abschliessen.
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Der Verein und der Museumsbetrieb liefen sehr gut. Fast 18‘000 Besucher kamen in unsere Ausstellung und wir betreuten fast 300 Gruppen. Dank Eurem grossen Einsatz können wir in diesen beiden Sparten finanziell mit einem positiven Jahresabschluss rechnen.
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Etwas weniger gut sieht es natürlich bei der JU-AIR aus: Ohne den Flugbetrieb wird ein Jahresverlust von etwa 200‘000 Franken resultieren. Das war so vorgesehen und wir können das verkraften, weil wir durch zahlreiche Private unterstützt werden. Allen voran möchte ich an dieser Stelle unseren treuen Freund Dieter Morszeck erwähnen. Seit mehr als zehn Jahren begleitet und unterstützt er die JU-AIR in guten wie in schlechten Tagen.
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Neuaufbau des Wartungsbetriebs
Unsere JU-52 sind 2019 zwar nicht geflogen, sie gehen zusammen mit unseren Technikern aber durch bewegte Zeiten. Die Technikabteilung der JU-AIR wurde aufgelöst und unsere Spezialisten wurden in die Junkers Flugzeugwerke AG integriert. Wir nutzen die Gelegenheit, dass die JU-52 nicht fliegen, organisieren die Technik komplett neu und bauen einen neuen Unterhaltsbetrieb nach EASA Part 145 auf, der Flugzeuge über 5,7 Tonnen betreuen kann. Er wird in der Halle 9 zuhause sein. Bis Ende Jahr sind rund 90 Prozent der Dokumente und der Organisation erstellt. Die sehr umfangreichen Unterlagen sind dem BAZL zur Genehmigung zugestellt worden und wir erwarten Anfang 2020 einen ersten Inspektionsbesuch des BAZL in Dübendorf.
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Neues Leben für die JU-52
Dass wir es mit unserer neuen Technik ernst meinen, zeigt gleich das erste Vorhaben: In einem weltweit einzigartigen Projekt überholen wir unsere drei JU-52 von Grund auf so, dass sie danach technisch wieder neuwertige Flugzeuge sind. Als erstes Flugzeug wird die HB-HOS überholt. Sie wurde in Dübendorf bereits komplett in ihre Einzelkomponenten zerlegt und wird durch ein Spezialunternehmen mit Lasergeräten millimetergenau vermessen.
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Auf Basis dieser Messdaten werden dann sämtliche Einzelteile des Flugzeuges in einem Computersystem gezeichnet, die neuen Strukturen statisch berechnet und danach zur Produktion vorbereitet. Das Vorhaben ist sehr komplex; ausser dem Rumpf werden alle Komponenten der Flugzeuge komplett neu gebaut. Die Arbeiten werden von den Junkers Flugzeugwerken in Zusammenarbeit mit Kälin Aircraft Structures in Dübendorf, Malters (LU) und Oberndorf am Neckar durchgeführt.
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Auch der Rumpf wird auf Herz und Nieren geprüft und umfassend überholt: Besonders kniffelig ist der Aus- und Neubau der «Centerbox» mit den Flügelwurzeln. Bei ihrem Ausbau könnte sich der Rumpf verziehen. Deshalb wird er in eine spezielle Lehre eingebaut, die das verhindert. Natürlich werden alle Strukturteile des Rumpfes genau inspiziert. Dabei steht uns ein Strukturspezialist der EMPA zur Seite. Der Kabinenboden wird ebenso ausgetauscht wie die Passagiersitze. Nach der Überholung wird der Rumpf wieder für viele Jahre betriebssicher sein.
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Obwohl die JU-52 ein historisches und deshalb vergleichsweise einfaches Flugzeug ist, verfügt es über zahlreiche Systeme, die bei der Grundüberholung ausgetauscht werden. Unser Avionikspezialist ist an der Planung für den Neubau des Instrumentenbretts, den Einbau der Cockpitanzeige und aller elektrischen Installationen. Uns ist es ein Anliegen, dass das Cockpit unseres Flugzeuges möglichst originalgetreu bleibt, aber auch wir werden im Sinne der Betriebssicherheit nicht ganz auf moderne Avionik und Anzeigen verzichten.
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Auch im Bereich der Motoren gibt es Veränderungen: Nach dem Entscheid, von den BMW-Motoren Abschied zu nehmen, haben wir bereits einen ersten Pratt & Whitney Motor erhalten. Im Moment bauen wir an einem eigenen Motoren-Prüfstand.
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Sämtliche Arbeiten zur Grundüberholung der JU-52 werden penibel überwacht und dokumentiert. Neben den Laservermessungen wird von den alten Flugzeugen eine detaillierte Fotodokumentation erstellt. Um die Übersicht aller Einzelteile nicht zu verlieren, wurde ein System zur Nummerierung und Nachverfolgung der Teile entwickelt. So kann am Ende für jedes neu gefertigte Flugzeugteil der gesamte Arbeitsprozess vom historischen Original bis zum fertig verbauten Neuteil nachgewiesen werden.
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Die Vergangenheit nicht vergessen
Zu Ostern 2021 soll die HB-HOS wieder flugbereit sein. Crews und Passagiere werden ein technisch neuwertiges Flugzeug fliegen, das aber in so gut wie jedem Detail dem historischen Modell entspricht und das Gefühl und die Erinnerung an die einmalige Geschichte der JU-52 und der JU-AIR am Leben erhält.
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Zu unserer Geschichte gehört auch der 4. August 2018. Mitte Dezember konnten wir vor dem Museums-Hauptgebäude in Dübendorf die Gedenkstätte für die zwanzig Menschen fertigstellen, die am Segnaspass ihr Leben verloren haben. Nach der abschliessenden Bepflanzung im Frühling wird uns und vor allem den Angehörigen und engen Freunden der Verstorbenen dann ein ruhiger Platz zum Gedenken an die Insassen der HB-HOT zur Verfügung stehen.
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Auch an der Unfallstelle möchten wir und die Angehörigen eine einfache Gedenkstätte errichten. Die Gemeinde Flims hat ein erstes Baugesuch dafür abgewiesen. Wir bleiben mit der Gemeinde aber im Gespräch.
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Ausblick
Zum Abschluss möchte ich noch etwas in die Zukunft blicken. Zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs 2021 arbeiten wir in verschiedenen Bereichen an der Reorganisation der JU-AIR. Als moderne Unternehmung soll sie die Geschichte und das Erlebnis der JU-52 über die kommenden Jahrzehnte hoch halten. Dabei wird sie die Sicherheit von Passagieren, Crews und Flugzeugen ins Zentrum aller ihrer Anstrengungen stellen.
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Für das erste Quartal 2020 hat die Unfalluntersuchungsstelle SUST den Schlussbericht zum Absturz der HB-HOT in Aussicht gestellt. Wir werden den Bericht sehr genau studieren und sicherstellen, dass wir das Maximum aus den Untersuchungen lernen und als Sicherheitsgewinn in die neu organisierte JU-AIR
einbringen können.
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Die Grundüberholung der HB-HOS wird weitergeführt. Die Detailplanungen, Vermessungen, Strukturberechnungen, Herstellung von neuen Teilen und deren Montage zu ganzen Komponenten laufen Hand in Hand. Wir werden Euch über den Fortschritt der Arbeiten laufend informieren.
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Natürlich werden die JU-52 auch 2020 nicht fliegen. Umso mehr freut es uns, dass die zweite JUNKERS F 13 (HB-RIA) fertiggestellt ist und in den kommenden Monaten ihren Erstflug haben wird. Die JU-AIR bietet Rundflüge mit den F 13 und unseren anderen historischen Flugzeugen an und die beiden JUNKERS F 13 werden an zahlreichen Anlässen zu sehen sein. So können sie den unvergleichlichen Sound der Sternmotoren im Himmel über Dübendorf erklingen lassen.>XY
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Damit wünsche ich Euch allen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!
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CEO Air Force Center, Kurt Waldmeier