Angehörige besuchen die Absturzstelle der HB-HOT

“Trauer ist keine Krankheit”

Die JU-AIR kümmert sich aktiv um die Hinterbliebenen des Unglücks am Piz Segnas: Angehörige und Rettungskräfte besuchten im September die Unfallstelle der HB-HOT bei Flims. Pfarrer Arno Arquint rief die Anwesenden auf, aktiv mit ihrer Trauer umzugehen.

Auf Einladung der JU-AIR und unterstützt von der Gemeinde Flims und der Kantonspolizei Graubünden besuchten Mitte September rund 40 Angehörige und 20 Einsatzkräfte die Absturzstelle der HB-HOT am Segnaspass. In einer schlichten Feier gedachten sie der 20 Insassen des Flugzeugs, das am 4. August dort verunglückt war.

Die Absturzstelle ist weit weg vom Rummel des Ferienortes Flims. Von der Bergstation der Graubergbahn mussten die Besucher zuerst zwei Stunden über den Segnasboden und einen steilen Hang in den obersten Talkessel zwischen dem Piz Segnas und dem Martinsloch wandern. Hier war die HB-HOT am Nachmittag des 4. August verunfallt. “Die Wanderung war ein wichtiger Teil des gemeinsamen Tages,” sagt Kurt Waldmeier dazu. “Sie führte die Gruppe vom emsigen Leben im Tal in die ruhige, einzigartige Berglandschaft am Segnaspass.”

Vor Ort hatten die Helfer der Gemeinde einige Sitzbänke aufgestellt, es gab warme Suppe und Tee. Nach einiger Zeit begann der Solo-Klarinettist Pius Baumgartner zu spielen und leitete die Gedenkfeier ein. Kurt Waldmeier war sichtlich berührt, als er die Anwesenden begrüsste. Dass er die Absturzstelle zusammen mit Angehörigen und Rettungskräften besuchen dürfe, bedeute ihm sehr viel. «Ich danke allen von Herzen, die uns, den Angehörigen der Verunfallten und letztlich auch den Verunfallten selbst geholfen haben.»

Das Unglück der HB-HOT habe die Menschen in ganz Graubünden sehr bewegt, sagte Regierungsrat Christian Rathgeb, der mit seiner Frau und den Angehörigen an die Unfallstelle gekommen war. Im Namen der Regierung des Kantons Graubünden entbot er allen Betroffenen sein tief empfundenes, herzliches Beileid.

Trauer ist keine Krankheit, rief der einheimische Pfarrer Arno Arquint den Angehörigen zu, die sich bei den beiden mit Blumen, Kerzen und Bildern von Verunglückten geschmückten Steinmännli versammelt hatten. Trauer müsse man zulassen, man könne und dürfe nicht versuchen, sie zu unterbinden.

Nach der Trauerfeier kehrte im Talkessel auf fast zweieinhalbtausend Metern eine mystische Ruhe ein. Leise Gespräche, Gebete und da und dort auch ein Lächeln im Andenken an die Verunglückten vom 4. August. Wir werden sie nie vergessen.

Christian Gartmann

2018-11-13T06:56:37+00:00